Hurra, wir kapitulieren?

Dear Hendrik M,

Deine zynische Art erreicht zwar nicht das intellektuelle Reizklima, in dem sich Peter Sloterdijk vorzugsweise bewegt, doch wegen Deiner Sprache erhältst Du von mir den Vorzug: Sie gibt weniger Rätsel im Anspruchsvollen auf und erreicht selbst meinen Nachbarn, einen alten verbitterten Frührentner. Alt war er früher auch noch nicht, so wie Du.

Du beschäftigst Dich vorzugsweise mit dem dumpfen Islam, der auf das Judentum losgeht, siehst die bürgerliche Freiheit bedroht und befürchtest die Islamisierung des Abendlands. Dabei übersiehst Du die überall beobachtbaren Haupttendenzen der meisten westlichen Gesellschaften.

Selbstbestimmung goes Größenwahn

Unsere westliche Weltsicht beruht auf der individuellen Selbstbestimmung. Daraus wurde im letzten Jahrhundert eine umfassende Anreiz- und Motivationsorientierung des Wirtschaftssystems und der Gesellschaftsordnung entwickelt. Zwang, Druck und Pflicht gehören der Vergangenheit an. Spätestens mit der Abschaffung der Wehrpflicht wurde in Deutschland klargestellt, dass der Staat den Weg einer anreiz- und konsumorientierten Gesellschaft übernimmt und nicht mehr umgekehrt versuchen wird, Pflichten für seine Mitlieder und gegen ihren Willen durchzusetzen.

Islam: Eine Chance für die Kehrtwende?

Der Islam verkörpert wie kaum eine andere Doktrin den umfassenden Zwang zum fremdbestimmten Leben gemäß einem archaischen, angeblich gottgefälligen Ritus, den schon die Väter der Väter befolgten. Der Islam erlaubt ein individuelles Leben, jedoch nur unter strengen Auflagen. Alle Mitgläubigen wachen verantwortlich darüber, wie man sich kleidet, was man isst oder trinkt und sogar darüber, wen man ansieht beim Beten. Muslime leben nicht in Freiheit, sondern in einem totalitären System, das einem Gefängnis gleicht, in dem alle anderen Muslime freiwillig und gezwungen die Überwachung übernehmen. Wer in solche einem System groß wird, lebt den Zwang, nicht die Individualität.

Jedem Staatslenker einer westlichen Demokratie muss längst aufgefallen sein, dass tradierte Werte keine Beständigkeit mehr haben und keine Basis mehr geben, um Normen durchzusetzen oder Verhalten zu steuern. Seitdem versuchten sie, mit wissenschaftlichen Befunden, teuer aufgewogen mit Steuermitteln und zu Studien verpackt, gefälliges Verhalten der Mitbürger begründbar zu machen. Inzwischen ist auch dieses Vorgehen als ineffizient erkannt, zu träge und zu aufwändig oben drein.

Warum ist man im Osten allergisch gegen den Islam?

Wäre es angesichts der Probleme bei der staatlichen Lenkung nicht nützlich, wenn mehr kollektiver Zwang ausgeübt werden könne, um willfähriges Verhalten zu erzielen? Der Wunsch nach individueller Freiheit ist im Osten ein großes Defizitmotiv, entstanden aus bitterer Erfahrung im realen Kommunismus der Gleichschaltung. Altbundespräsident Gauck hat es oft bis unendlich oft vorgekaut, wie wichtig dieses Grundrecht für die Menschen, vor allem in Osten ist. Gedanken an gesellschaftlichen Zwang und Überwachung können im deutschen Osten radikale Reaktionen hervorrufen, Gewalt ist dabei nicht auszuschließen.

Gleichgesinnte erzielen die höchste Ordnungseffizienz

Ein Blick nach Singapur zeigt, wie gut die Moderne funktionieren kann. Singapur bietet unter anderem die niedrigste Steuerquote, das beste Abwassersystem, die weltweit beste Schulbildung und die attraktivste Plattform für das Investment Banking. Wenn man jung und flexibel wäre, lohnte es sich ganz sicher darüber nachzudenken, einen Lebensplan zu formulieren, der Singapur zum Lebensmittelpunkt macht.

Aber die Anpassung bei permanentem Wandel

Der Ausbruch aus dem tradierten Erziehungscontinuum erfolgte im Westen bereits in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die Erziehungsmethodik wurde radikal in Frage gestellt, nicht nur die wilden Zwanziger und der Dadaismus bezeugen das. Auch der Radikale Nonsens der Einsteinschen Ralativitätsthorie zerbricht das Continuum, verhilft einer schizzoiden Argumentationsweise zur Wissenschaftlichkeit. Doch die Anhänger der neuen Auffassungen, seien sie nun Relativisten oder WhatsApp-User, sind wiederum nur die Gefangenen eines neuen Continuums, welches sie nicht mehr leben, sondern lediglich nutzen, um zu leben oder zu überleben. Man könnte sie auch opportunistisch nennen, denn sie nutzen nur noch ohne dabei in Verpflichtungen zu geraten. 

In der Wissenschaft vom Systementwurf sagt man Ecosystem dazu (Ökosystem (dt.) wäre  ein echter Fehlgriff), wenn man den Service einer Mutter braucht, um gewaschen und gesund in die Schule zu gelangen ohne dabei die Normen, Pflichten und Werte dieser Servicekraft übernehmen zu müssen.

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  • „Mother as a Service“
  • „Parents as a Service“
  • „Family as a Service“

Bis heute sind jedoch die Wissenschaftler, die dem Einsteinschen Dadaismus folgen, Gefangene dieser Doktrin. Sie schaffen es selbst nach hinreichender Aufklärung nicht, den Nonsens, den sie behaupten, zu erkennen. Das muss uns regelrecht stutzig machen, denn sie stehen mit ihrem Gewäsch von der Raumzeit bzw. einer Schwarzschildlösung, die auf 0=0 hinausläuft, auf einer Stufe mit Orthodoxen aller Couleur, die Argumente nicht verstehen können, oder radikalen Muslimen, die grundsätzlich nur über Jungfrauen im Paradies nachdenken können.

Ein Leben wie das der Vorfahren zu gestalten, wurde von den Dadaisten radikal abgelehnt. Eine Wissenschaft, die auf beweisbaren Sätzen aufbaut und Spekulationen aller Art zurückweist, wurde von Max Planck, nachdem er Einstein nach Berlin geholt hatte, als überholt verworfen. Die beständige technologische Erneuerung ist der Treiber der Moderne. Seit James Watt die Maschine unter Dampf setzte und zur Arbeit zwang, gibt die Technologie jeweils jenen recht, die sie erlernen und für sich nutzen können, von T. Edison über Adolphus Busch bis Mark Zuckerberg reicht ihre aktuelle Nutzerliste.

Schließt den Rückfall nicht aus

In einer modernen Welt, die vom Wandel angetrieben wird, wo die Entwicklungsrichtung eine Unbekannte bleibt, ist auch der Rückgriff auf eine zwangsgeführte Massendoktrin á la Islam eine zulässige Option zur Lösung des gesamtstaatlichen Steuerungsproblems. Wenn viele Bürger auf denselben Trigger, z.B. „im Koran steht“ anspringen, lässt sich ein Staat billiger und einfacher organisieren. Die Alternativen sind,

  • dass man jeden Bürger einzeln und speziell über Facebook anpingt oder
  • mit Hilfe der Lieblingsapp ein passendes Bild oder Video (denn Lesen ist out) zusendet oder
  • den Lieblings-Influencer (früher: Prediger) mit Geld motiviert oder
  • nichts unternimmt,

um ein vernünftiges Verhalten, z. B. die Flüssigkeitsaufnahme von Kindern, zu fördern.

Später wird, sofern es Geschichtsbücher noch geben wird, die Menschen des Lesens noch mächtig und des Verstehens noch willens sein werden, dort stehen, dass man im Jahr 2015 den letzten Versuch des deutschen Staates registrierte, den Individualismus seiner Bürger einzudämmen.

Noch nie war in der Geschichte der Bundesrepublik die Gewaltbereitschaft bei jungen Menschen größer.

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