QBanking: Remote Instant Money

Pecunia non olet

Warum eigentlich stinkt Geld nicht?Banker Cosimo Medici

Weil Geld als universelles Tauschmittel dasjenige, was hingegeben wurde, um es zu erlangen, vergessen macht. Geld hat kein Gedächtnis, auch keines für Düfte. Apropos vergessen: Kann ich auch vergessen, dass meine Bank mit meinem Geld auf Nahrungsmittel spekuliert?

Wenn ein Bekannter Sie um einen Kredit fragt, und sogleich dazu sagt, dass er es eventuell zum Zocken auf Mais am CME benötigte, würden Sie ihm das Geld borgen? Wenn ein weltweit agierendes Kreditinstitut Eigenhandel mit Kontrakten auf Grundnahrungsmittel nicht ausschließt, würden Sie ihm das Geld borgen, indem Sie dort ihr Bankguthaben deponieren?

Vermutlich werden viele, die eine starke Regulierung der Geschäftsbanken fordern –darauf angesprochen, ob sie wüssten, was mit ihrem Geld tagtäglich finanziert wird– vermeiden wollen, auch nur im Ansatz zu wissen oder zu verstehen, was ihre Hausbank finanziert oder handelt.

Die Bankkunden wissen nicht, was ihre Bank mit ihrem Geld anstellt, und sie scheinen es nicht wissen zu wollen. Sic! Non olet. Sie können auf die Verwendung ihrer Einlagen keinen Einfluss nehmen. Hier liegt das Problem.

Dieses Problem ist grundlegend. Privatpersonen ist nämlich das Eigentum an Buchgeld verwehrt. Anscheinend gilt dieses Verbot systemübergreifend und weltweit. Ohne das Eigentumsrecht können Privatpersonen nicht das Verfügungsrecht in Anspruch nehmen, das ihnen zu bestimmen erlaubt, was mit ‚ihrem eigenen Geld‘ geschieht. Sie haben das Verfügungsrecht nur, wenn sie ihr Geld bar, in Scheinen oder Münzen, halten und nicht mehr, wenn sie es weitergeben. Dem Weggeben von Geld kommt es gleich, wenn sie es auf ihrem Konto bei der Bank deponieren. Bis auf den Anspruch auf Rückzahlung, einer Forderung also, haben Sie alles, alle alternativen Möglichkeiten und auch alle Verantwortung weggegeben.

Die gängige Rechtsauffassung, dass Buchgeld eine Forderung gegen eine Bank sei, erlaubt natürlich dessen Besitz samt Eigentum durch natürliche Personen. Menschen können zwar eine Geldforderung besitzen, sie können aber kein unbares Geld besitzen.  Ohne das Recht des Kontoinhabers, vollumfänglich bestimmend über eigenes, unbares Geld zu verfügen, also über die eigenen Zahlungen hinaus jeden Zugriff darauf zu steuern, bleibt Buchgeld eine wirklichkeitsferne Fehlinterpretation von ‚remote money‘, das inzwischen nahezu alles ‚real money‘ verdrängt hat, da es ebenfalls ‚instant money‘ ist.

Ein modernes Bankwesen, das der Wirtschaftsordnung in demokratischen Gesellschaften dient, muss qualitativ mehr leisten können!

QBanking

Es muss z.B. möglich sein, dass ich ausschließe, als Bankkunde implizit an der Finanzierung wild gewordener Märkte beteiligt zu sein. Ich möchte meiner Bank vorschreiben können, dass meine Einlagen nicht für x-beliebige Finanzanlagen im Eigenhandel verwendet werden dürfen.

Was vor 30 Jahren noch utopisch klang, ist heute –dank der IT– sehr leicht realisierbar.

Für jedes einzelne Konto kann die Verwendung der Einlagen (im Aktivgeschäft) beschränkt werden, mindestens nach

  • Instrument,
  • Markt,
  • Anlageschwerpunkt,
  • Risikoklasse.

Die Vergabe einer maximalen Risikoklasse je Konto sei verpflichtend. Je mehr Vorgaben, desto kleiner werden die Chancen auf nutzenstiftende Verwendung und damit schrumpfen die Auswahlmöglichkeiten bei zinsbringenden Anlageformen.

Wer heute gegen die ‚Zockerbanken‘ zu Felde zieht, kann morgen vielleicht schon selbst festlegen, wie viel ihm seine Moral kostet: Er kann die Verwendung seiner Einlagen beschränken, nach ethischen Kriterien, z.B. keine Palmölplantagen, kein Regenwaldholz, kein Wattenmeergas, keine Frackingerschließung. Jeder Ethikpunkt ergibt einen Abzug von 20 Basispunkten, das sind 0.2%, gegenüber dem Referenzsatz.

Wenn nun Bankkunden das Anlagerisiko (Verlustrisiko) für ihre Einlagen ganz genau steuern könnten, was wäre anders im Verlustfall?
Wenn der Verlustfall eintreten würde,

  1. wären nur diejenigen Kundenkonten betroffen, bei denen das Risiko explizit akzeptiert wurde,
  2. wären die betroffenen Kunden darauf gut vorbereitet, hatten sie doch damit rechnen müssen,
  3. wäre das Risiko von Finanz-Epidemien viel kleiner als heute, weil der Verlust nur bestimmte Schichten von Einlagen und diese gleichmäßig betreffen würde.

Allheilmittel Volcker-Verbot?

Nicht die Bank zockt, die Kunden tun es bzw. können mitzocken, können teilhaben an den Möglichkeiten der modernen Finanzmärkte. Ganz anders die Volcker-Hörer: Sie wollen die Kunden zu 100% beschützen und die Einlagen zu 100% garantieren. Das gelingt ihnen nicht!

Die Banker werden ihre Kunden um die Ecke, zum bankeigenen Investmenthaus schicken, wo nicht im Namen der Bank, sondern in ihrem Namen gezockt wird. Mit dem gleichen Ergebnis, den gleichen Möglichkeiten und den gleichen Gewinnen, diesmal als Provision verbucht.

Investmentgesellschaften (US: Brokerhäuser) sind hoch spezialisierte Anlagegesellschaften, die das Vermögen ihrer Kunden in deren Auftrag verwalten. Kunden, die keinen Realverlust ihres Geldvermögens erleiden möchten, werden sich gezwungen sehen, ihr Geld zum Broker, nicht etwa zur Bank zu bringen.
Dass in Brokerhäusern noch mehr Kontrolle über die Risiken und die Anlageformen stattfindet, muss erfahrungsgemäß bezweifelt werden. Das liegt insbesondere an der Innovationsrate der Finanzmärkte. Durch Einführung neuartiger Instrumente gelingt es dort regelmäßig, bestehende Beschränkungen und teils lähmende Regulierungen zu umgehen. Neue Instrumente lassen neue Risiken entstehen, an die niemand zuvor gedacht hat, etwa an das Risiko schrumpfender Ostsee-Gasleitungen nach Überflug.

Schließlich existiert ein Effekt bei dieser Art globaler Geldumleitung, der verheerende Folgen nach sich ziehen kann: Der Herdeneffekt.

Die Investmenthäuser agieren prozyklisch, ihre Gewinne steigen und fallen mit den Kursen an den Finanzmärkten, wo sie investieren. Wenn fast alle Bankkunden ihre Geldanlagen Brokern anvertrauen, werden ihre Vermögenswerte im gleichen Auf und Ab schwanken, so wie sie Indizes der großen Finanzmärkte. Sollte wie in 2008 eine starke Kurskorrektur zu einer Panik an den Börsen führen, wären nicht nur einige Investoren, die das Risiko kennen, davon betroffen, sondern alle Sparer. Viele von ihnen werden sich in dieser Situation gezwungen sehen, angesichts der drohenden Verluste ihre Anlagen zu liquidieren. Der Herdentrieb würde die Finanzmärkte erfassen und binnen kürzester Zeit, eventuell sogar direkt von der App in Echtzeit gesteuert, zum Kollaps führen.

Wiederholt konnte der Staat beweisen, dass er bei der Finanzmarktregulierung und -aufsicht versagt. So wurden ABS und CDS zuerst gefördert und gefordert, später dann, als klar wurde, dass sie verbrieftes Risikoblendwerk sind, wurden sie geächtet. Allerdings erst im Nachgang, nachdem der Markt den Hinweis durch seine Crashes gegeben hat, lässt der Staat etwas verbieten, was der Markt von selbst fortan meiden würde.

Was passt zu wem?

Das Volcker-Verbot passt zu Diktaturen mit unmündigen Bürgern. Es ist ein Schritt im Katz und Maus-Spiel zwischen Regulierungsbehörde und Bankensektor, keine Lösung des Problems.

QBanking passt zu mündigen Bürgern in demokratischen Gesellschaften und  zu modernen Märkten. QBanking beseitigt die Diskrepanz zwischen den Gewinnen der Finanzmärkte und den Ergebnissen der (realen) Gütermärkte in Phasen mit schwacher Konjunktur und niedrigen Zinsen. QBanking beendet die Buchgeldautonomie (mit dem Monopol zur Giralgeldschöpfung) der Geschäftsbanken.

QBanking steuert die Geldströme auf dem gesamten Erdball so, dass die Menschen mit den Finanzmarktergebnissen zufrieden sein können – weil es ihren eigenen Werten entspricht.

Ein Staat, der seinen Bürgern (bzw. Bankkunden) die Risikoeinschätzung und die Risikokontrolle (über seine eigenen Finanzen) nicht zutraut, muss sich fragen lassen, warum er den Bürgern zutraut, politische Entscheidungen selbständig zu treffen und dabei die ‚richtigen‘ Volksvertreter zu wählen.

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