Peter Buffet in der Krise der Kapitalismus

Die Geschichte von der Krise des Kapitalismus wird im Jahr 2014, sechs Jahre nach dem 2008er Crash, noch gerne erzählt.

Der Kapitalismus ist eine Variante der dezentralen Steuerung von Angebot und Nachfrage. Der Wettbewerb ist die Voraussetzung für die Effizienz. Den Wettbewerb haben sich die Menschen von der Natur abgeschaut.

Einerseits schätzen sie den Wettbewerb, etwa wenn Qualität und Preise ohne explizite Vorgaben in Balance gebracht werden, andererseits fürchten die Menschen die Konsequenzen, den permanenten Druck zur Anpassung und die Veränderung.

In der Natur kann man keine derartig extremen Schieflagen beobachten wie in den Wirtschaftssystemen, die von Menschen konstruiert wurden. Beispiele:

  • Massenarbeitslosigkeit:
    Kennt die Natur ein globales Artenverhungern?
  • Massenverelendung:
    Trotz bezahlter Arbeit ist kein Leben außer Arbeit möglich, wie etwa in der Bekleidungsindustrie von Bangladesch und der Schuhindustrie von Äthiopien. Kennt die Natur den Fall, dass ganze Arten sich aus Mangel an Ressourcen nicht fortpflanzen können?
  • Massenverblödung:
    Trotz einleuchtender Hinweise auf das Vorliegen von Wunschdenken glauben unzählige Menschen an den ehrlichen Putin und mehr als siebzig Jungfrauen im Paradies.

Gibt es Fettsucht in der Natur?

Nein, denn die Natur sieht Ineffizienz nicht vor. Einerseits gibt es Fressfeinde, die sich aufgrund des Energieangebots fetter Beute vermehren würden, andererseits gibt es Konkurrenz bei der Nahrungsmittelversorgung: Adipöse Fleischfresser würden bei der Jagd regelmäßig leer ausgehen, adipöse Pflanzenfresser würden aufgrund zunehmender Bewegungsunfähigkeit nicht mehr ausreichend Energie aufnehmen können.

Die scheinbar ungezügelte Aufnahme von fettreicher Nahrung ist sogar bei den Braunbären ein kontrollierter Prozess, ihnen dienen die Fettmengen als Energiespeicher für die Dauer eines Winters.

Was würde passieren, wenn Braunbären länger als einen Winter schlafen könnten und Fischzüge für ein mehr als ausreichendes Nahrungsangebot sorgten?

Würden die Braunbären, die für zwei und mehr Winter fressen, bei der Jagd auf die Lachse dominieren können? In der Konkurrenz zu jenen Bären, die sich jeweils nur für den nächsten Winter versorgen, hätten sie einen Nachteil: Sie müssten in der verfügbaren Zeit doppelt so viel Beute machen und doppelt so viel fressen. Sollte Ihnen das –etwa aufgrund günstiger Anfangsbedingungen– gelingen, fiele ihnen das Jagen mit zunehmendem Körpergewicht immer schwerer, so dass bei Konkurrenz mit leichtfüßigen Artgenossen Nachteile entstehen: Die Vorratsbären würden selbst bei ausreichendem Fischangebot wegen der Konkurrenz mit den Winterbären weniger fangen und nicht ausreichend Nahrung aufnehmen können.

Selbst beim Übergang von einem System, z.B. der Vorratshaltung, zu einem anderen, vermeintlich höher entwickelten, wird in der Natur mit Hilfe von Konkurrenzverhalten im Wettbewerb ausgelotet, welcher Weg einzuschlagen ist.

Der entscheidende Unterschied zwischen dem Wettbewerbssystem  um die natürlichen Ressourcen und dem der Marktwirtschaft besteht hier:

Die Strukturen der Marktwirtschaft werden

  • aufgrund von Erfahrung entwickelt,
  • starr vorgegeben und
  • nur selten angepasst, etwa wenn Interessenverbände, meist die Vertreter der Angebotsseite, Druck auf den Gesetzgeber ausüben.

Wenn es einzelnen Anbietern gelingt, große Marktmacht zu erlangen oder große Vermögen anzuhäufen, und behauptet wird, dass dies im freien Wettbewerb geschehen sei, muss man nach Ursachen für mangelhaften Wettbewerb suchen, z.B. nach Hürden für den Markteintritt.

In der Evolution der Arten, der Systeme möchte man kreisförmige und abfallende Entwicklungsverläufe vermeiden. Kreisförmige, zirkelartige Verläufe würden zu einem hin- und herpendelnden Stillstand führen, während abfallende Schritte die Rückentwicklung erlaubten.

Matroide sind formale Strukturen mit nützlichen Eigenschaften: Man kann in der Welt der Matroide niemals in die Irre gehen, selbst wenn man schrittweise vorgeht und sich dabei jeweils nur graduell verbessert. Wird ein System der Vorratshaltung von einem anderen nur dann abgelöst, wenn das neue im direkten Vergleich besser abschneidet, lässt sich das auch wiederholen. Dabei braucht man nicht zu befürchten, dass das ursprüngliche System -auch bei neuen Bewertungskriterien- nochmals als vermeintlich überlegenes System auftritt.

Wendet man das matroide Modell auf die Ordnungspolitik einer Marktwitschaft an, werden nur noch voneinander unabhängige Rahmenbedingungen formulierbar. Die Entwicklungsstufen, die von den Marktteilnehmern durchlaufen werden, müssen im Wettbewerb ausgelotet werden und jede neue Marktstruktur, die sich im direkten Vergleich durchsetzt, muss nach ordnungspolitischen Kriterien besser und als systematisch überlegen eingestuft werden können. Damit entfielen alle Möglichkeiten, um den Erhalt von Privilegien (z.B. in der Landwirtschaft), den Schutz von bestehenden Strukturen (z.B. in der Energiewirtschaft) oder kurzfristige Eingriffe in den Markt (z.B. zur Bankenrettung) als Wirtschaftspolitik zu betreiben.

Die Evolution der Natur scheint weder die Gefahr der Rückentwicklung  noch das Risiko eines Stillstands zu kennen. In der Natur kennt keine Spezies und kein Individuum eine Bestandsgarantie. In der Natur gibt es weder gut noch böse. Wer sich durchsetzt, ist weiter.

Das menschliche Streben nach Erhalt von Bestehenden und das Schutzbedürfnis für alles, was erarbeitet wurde, führt langfristig in die Erstarrung der Wirtschaft und Gesellschaft. Sichtbare Anzeichen beginnender Lähmung ist die Abnahme des unternehmerischen Muts und die stetig zunehmende Bürokratie.

Für junge Braunbären wäre es unmöglich, nach nur einem Frühjahr an der Sonne Lachse zu fangen ohne dabei gegen die Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft zu verstoßen oder gegen die Vorschriften zum Gewässerschutz aus der europäischen Wasserrahmenrichtlinie.