The Wucht of The House of One

Am Petriplatz in Berlin-Mitte soll ein Lehrhaus für Juden, Muslime und Christen entstehen. Warum das nicht funktionieren kann? Eine Analyse.

In Berlin-Mitte sollte etwas weltweit Einmaliges versucht werden: Juden, Christen und Muslime wollten ein gemeinsames Haus errichten lassen. Unter einem Dach sollte

  • eine Synagoge,
  • eine Kirche und
  • eine Moschee

vereint werden. In der Mitte war ein zentraler Raum der Begegnung geplant. Das Haus des Gebets war gedacht als Begnungsstätte, offen für alle.

Das Gebäude – der Entwurf

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Die Faz beurteilte die Gestaltung folgendermaßen:

Dem Eindruck einer Festung oder gar eines Bunkers beugt eine durchgehende Pfeilerarkade [Pfeilerarmee] im Erdgeschoss längs der Gertraudenstraße vor. Sonderbar: Während in unseren Städten gerade die gigantesken Betonwürfel jener Ära als Verirrung der Spätmoderne abgerissen werden, planen junge, von den Glashäusern und den Retrobauten des vergangenen Jahrzehnts ermüdete Architekten neue Riesenkisten.

Gigantesk oder gigantoman?

Was die FAZ als „gigantesk“ bezeichnete ist der Hang zur Gigantomanie, welcher die Betrachter, die Passanten und die Kirchgänger gleichermaßen beeinducken soll. Eindruck machen, gewaltige Größe und Allmacht demonstrieren: So wie die Gigantobauten von Mekka, die Kaaba und  die riesige, ein bischen versteckte Kuppel im Dach. Sollten die Geldgeber beeindruckt werden? Wählte man deshalb diesen monströsen Entwurf?

HouseOfKarstadt

Das Sendungsbewusstsein der Vertreter der großen Religionen ist offensichtlich das dominante Motiv: Es geht nicht um die Bescheidenheit, um einen Neuanfang, um Versöhnung oder gar um die Menschlichkeit. Vielmehr ist es das Ziel, die Macht und die Größe, also die Allmacht zu demonstrieren. Der Bau scheint die Macht jener vor Augen führen zu wollen, die in Gottes Nähe verlinkt sind. Religion und Macht bilden ein Paar der gepflegten Gemeinsamkeit, der üblen Tradition, Menschen in Abhängigkeit zu bringen und dort zu halten.

Deutschland hat genug Gotteshäuser

Meistens und immer häufiger stehen diese leer. Da braucht man Sendungsbewusstsein oder sogar spezielle Absichten, um ein neues Gotteshaus neben die alten stellen zu wollen.

Gestaltungsprinzipien für ein gemeinsames Gotteshaus der großen Weltreligionen

Man kann nicht alle Religionen mit samt ihren Symbolen und Traditionen zu einem Brei verrühren oder daraus die Schnittmenge auswählen, mit ein bischen St.Peter oben, eingepackt in eine Kaaba,  blockzentriert oder senkrecht angeschlitzt. Das funktioniert nicht, wo soll da der Neuanfang sichtbar werden?

  1. Grundriss

Den Grundriss kann nur ein Dreieck formen, wenn man drei Weltreligionen fusionieren möchte. Jedoch kann das nicht vollkommen sein, denn der Mensch, der Gott sucht, weiß um seine eigene Unvollkommenheit, mehr als andere Menschen, die das nicht versuchen.

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Der Grundriss zeigt ein Dreieck, welches keine Spitzen mehr, vielmehr nur noch Rundungen aufweist. Die Radien der Rundungen sind verschieden. Der Raum hat überhaupt keine Ecken, keine dunklen und auch kein Versteck. Der Raum hat drei Wandöffnungen.

 2. Aufriss

Der Aufriss ist geprägt vom aufwärts Streben, der menschlichen Sehnsucht nach Gott. Dabei zeigt sich wieder die menschliche Unvollkommenheit. Das, was wir tun, soll ein Bild von uns selbst geben: Die Menschen haben dieses Gotteshaus erbaut, nicht irgendwelche Maschinen. So wie wir es selbst können, so soll es auch werden. Die Spuren dessen, wie wir es gemacht haben, sollen sichtbar bleiben. Nichts Künstliches, nichts Perfektes, nichts Supertolles soll es demonstrieren. Auch keine Allmacht.

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Zur Fassade:

Die Wärme der Sonnenstrahlen sind ein Symbol für die Liebe Gottes zu den Menschen. In dem abgebildeten Modell wird die Wärme auf der Fassage spürbar.

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Die Wärme wird spürbar, sogar haptisch unmittelbar erfahrbar. Die Fassade besteht nämlich aus Kork, genauer gesagt, einem witterungsbeständigen TPE-Kork-Gemisch, das sich warm anfühlt, selbst in der großen Kälte einer dunklen Nacht.

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Das Haus sieht ein wenig aus wie der unvollendete Turm zu Babel auf Pieter Bruegels Bild von 1563. Es hat kein Dach, aber es hat eine große Terrasse, die zum Sitzen, zum Umhergehen, zum Verweilen und zum Miteinander einlädt. Von dort oben kann man weit sehen, sich ein wenig erhaben fühlen und inmitten der großen, lauten Stadt auch Ruhe finden. Die Geschichte vom babylonischen Turm ist in den drei Weltreligionen bekannt.

Das Haus besitzt durch seine Proportionen eine Ähnlichkeit zur  Frauenkirche in Dresden. Das soll es auch, denn sie ist nach dem gelungenen Wiederaufbau das moderne Sinnbild für Gemeinschaftssinn geworden.

Schließlich  wird dieses Haus dem zufällig vorüber eilenden Passanten rätselhaft erscheinen, denn es sieht ein wenig orientalisch und auch ein wenig kirchlich aus. Und seltsam warm wird es sich anfühlen.

So darf man sich ein Haus vorstellen, das die Menschen auf Gott neugierig werden lässt.

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