Wer nichts lernen will, sollte gehen!

Da stehen zwei Laptops auf dem Arbeitstisch: Beide mussten an die Steckdose, weil ihre Akkus leer waren. Am Abend nahm ich einen vom Netz, weil ich ihn am nächsten Morgen einpacken wollte. Als ich am nächsten Tag am anderen Laptop saß, erhielt ich die plötzlich die Fehlermeldung „Sicherung nicht möglich, kein Netzbetrieb“.  „Das ist ein blöder Treiberfehler“, dachte ich sofort, denn ich hatte die Installation des Betriebssystems noch nicht vervollständigt. Also aktualisierte ich alle Treiber und versuchte es erneut: Da stand die gleiche dumme Fehlermeldung. Aber ich war mir absolut sicher, dass der Rechner am Netz hing, denn ich konnte die Steckdose einsehen, wo das schwarze Kabel steckte.

Schließlich, aber viel zu spät, kam ich darauf, nachdem der Rechner aus Mangel an Energie den Betrieb einstellte: Ich hatte den falschen Laptop ausgesteckt. Die Fehlermeldung war richtig gewesen! Ich hatte nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, dass die Meldung -trotz des Bildes vom Stecker in der Steckdose- stimmen könnte.

Das Risiko von Irrtum und Heldentum

Anzunehmen, dass die eigenen Annahmen ununstößlich sind, steigert das Risiko für Fehlschläge in enorme Größenordnungen. Ob das politische Überzeugungen, religiöse Gewissheiten oder herbeibeschworene Hoffnungen (auf steigende Ölpreise) sind, die Risiken werden erst durch die Bereitschaft genährt, unbeirrbar einem Pfad zu folgen. Indem wir jedoch unsere Annahmen austauschen, können wir ihren Wahrheitsanspruch ergründen und das Risiko von Irrwegen verringern. Debatten über Ideen, Ziele und Mittel sind ein wichtiges Instrument zur Kontrolle des Risikos.

Wenn jemand es schafft, seine öffentlich vorgetragenen Thesen vor der Widerlegung zu bewahren, schreiben ihm die Menschen nicht nur Geisteskraft, Beharrlichkeit und Mut zu, auch sein Heldentum wird gelobt. Das schaffte Nikolaus Kopernikus, Martin Luther, Galileo Galilei und Albert Einstein, aber auch Adolf Hitler.

Die Lehren des kopernikanischen Weltbilds konnten das Chaos, das der Lauf der Gestirne mit seinen Epizyklen hervorrief, keineswegs vertreiben. Obwohl die Gelehrten erkannt hatten, dass die heliozentrische Darstellung viel klarer war und sehr einfach zur Bahnberechnung  genutzt werden konnte, hielt man sie anfänglich nicht für wahrheitsfähig, vielmehr für einen Rechenschritt.

Maßnahmen gegen den Irrtum

Wir können heute in der Grundlagenphysik, die -wie in der Antike die Lehre des Aristoteles- als theoretisch richtungsweisend angesehen wird, zwei große Probleme diagnostizieren:

  1. Die Theorieentwicklung stockt seit 50 Jahren (Lee Smolin) und die Ansätze zur Vereinheitlichung reiben sich an der Komplexität (der Quarks, Quanten, Strings etc.) auf.
  2. Die Erklärungsansätze der theoretischen Physik (Zeitdilatation, Quantengravitation, Photonenteleportation) stehen als spekulative Szenarien (mit 4,6 oder 11 Dimensionen) aufgereiht nebeneinander. Die Relevanz einzelner Richtungen kann niemand vernünftig beurteilen.

Beim Fortbestehen dieser beiden Probleme wird die theoretische Physik ihre richtungsgebende Rolle zur Erforschung der Grundlagen menschlicher Existenz (in einem umfassenden Rahmen wie z.B. der kosmologischen Theorien) verlieren. Dadurch wird Platz geschaffen für metaphysische Theorien ohne wissenschaftlichen Anspruch, die von weltanschaulichen oder religiösen Motiven gespeist werden.

Mit Mitteln der Physik lässt sich das als Gedankenchaos anmutende Szenario nicht beseitigen. Zu sehr verwoben sind rein spekulative Hirngespinste wie Zeitdilatation, Gravitationswellen und Quantenfluktuationen, die nur aufgrund zufällig entdeckter Variablenbelegungen für richtig angenommen wurden, mit den in unserer Realität erprobten Grundsätzen von Ursache und Wirkung.

Spätestens an dem Punkt, wo körperliche Bewegungen durch die Zeit propagiert wurden, hätte es auffallen müssen, dass Fiktion und  Wunschdenken die Forschung dominieren. Auch schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts standen die Physiker unter Druck, sie mussten irgendwie liefern, weil das Denken in hierarchischen Systemen Abhängigkeit bedeutete. Die Freiheit, zu sagen „das weiß ich nicht“, hatte kein etablierter Wissenschaftler, wenn er im System bleiben wollte.

Freiheit ohne Herde

Aber die Erfahrung zeigt, dass der Druck auf Einzelne nicht darüber entscheidet, wann ein System, wie z.B. die Motorenentwicklung im Volkswagenkonzern oder die nächste Immobilienhausse, endet. Von der Herde geht die größte, weil unerklärliche  und magische Attraktivität aus, das beweisen die Mitgliedszahlen in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter. Dort herrscht das Interesse vor, von anderen beachtet oder bewundert zu werden, weil das Teil des (zwecks Fortpflanzung und Arterhaltung) angeborenen Verhaltens ist.

Die Attraktivität einer Herde (z.B.  des Volkswagenkonzerns), steigt mit ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, davon leitet sich die auf ihre Mitglieder abstrahlende Sicherheit ab. Die Mitgliedschaft wird aber umso zwingender, je größer die Diskrepanz zwischen den Möglichkeiten der Einzelnen und denen der Gruppe ist. Da schließt sich die Frage an:

Welche Aussichten auf beruflichen Erfolg hat ein Experte für Relativitätstheorien, für Stringtheorien oder für Quantengenetik außerhalb seiner staatlich alimentierten Bildungs- oder Forschungseinrichtung?

Wenn die erste Frage mit „weniger als 50% Wahrscheinlichkeit“ beantwortet wird, ist zu hinterfragen, weshalb diese Experten mit staatlicher Unterstützung weitere Experten ausbilden, für die mindestens eine ähnlich unbefriedigende Prognose gilt?

Direkte Apelle scheinen wirkungslos, etwa darauf hinzuweisen, dass die Physik

  1. keine Sozialwissenschaft ist (also kein Beobachter-Gelaber) und
  2. keine Theologie betreibt (also keine Urknall-Spekulationen).

Es scheint, dass die Sprache der Quantenmechanik erfunden wurde, um eine physikalische Basis für die Dauerentschuldigung zu etablieren, damit Irrtum und Nichtwissen zum Programm zählen dürfen, ohne dabei der Verschwendung knapper Ressourcen beschuldigt werden zu können. Der Zustand der theoretischen Physik ist im Vergleich zu anderen Wissenschaften einmalig:

Es gibt keine objektiven Kriterien mehr, für wahr oder falsch, für Ja oder Nein, für korrekt/valide oder Fiction/Spekulation.

Es scheint auch so, als ob die Physiker die theoretischen Grundlagen ihres Faches herausgebaut und weggeworfen haben. Die Metaphysik ist längst als spekulative Wissenschaft etabliert, mit täglich neuen Erfolgsmeldungen zur Entdeckung schwarzer Löcher, dunkler Energie und zum Nachweis höchst seltener Gravitationswellen.

Die Verantwortung des Wissenden

Das Horrorproblem, das man daraus ableiten kann, wird nach und nach erst sichtbar: Die Energieversorgung der Menschen ist heute auf dem Stand der alten Griechen: Mit Windkraft, Wasserkraft und Feuerkraft aus Verbrennung und Solar wird versucht, Energie zu beziehen.  Die Atomkraftwerke müssen wegen der Unfähigkeit, konsequent zu Ende zu denken, abgeschaltet werden. Die langfristigen Folgen der Kernspaltungsaktivitäten sind nach wie vor ungeklärt.

Die Unfähigkeit, in Konsequenzen zu denken, hat sich heute ganz allgemein etabliert. Sie wird sogar in den modernen Bildungseinrichtungen gefördert.

Großartige Beispiele einer freiwillig und offen vorgetragenen Dummheit (eventuell auch aus Mangel an geistiger Reife, um eigene geistige Leistungen anstelle kopierter Vorlagen zu erstellen) sind diese Gebetsmühlen, die in Schulen, Hochschulen und sonstigen Vereinen auf Flugbättern zum Thema Spezielle Relativität verteilt werden:

  • D. Frisch und J. Smith bestätigten 1963 am Beispiel des Zerfalls von kurzlebigen Partikeln (Mesonen) die Zeitdilatation.
  • J.C. Hafele and R. Keating konnten im Oktober 1971 mit einem Experiment die theoretischen Vorhersagen zur Zeitdilatation bestätigen.
  • GPS-Systeme beruhen auf der Allgemeinen Relativitästheorie, wegen der modulierten Ausgangsfrequenz.

Jeder mit oder ohne Verstand darf diese Frage stellen:

Wenn die Frage nach der Magie der Zeitdilatation, die ja quasikausal wirkt (d.h. in der Lage ist, das Leben der Mesonen zu verkürzen ohne selbst kausal zu sein, aber immer wieder als die eine Ursache verkauft wird) so brennend häufig gestellt wird, weshalb hat man es nach 1963 bzw. 1971 nicht mehr geschafft, diese prächtigen Experimente zu wiederholen?

Liegt es eventuell daran, dass man die einsteinschen Theorien vor dem Dumpfkall bewahren möchte oder einfach nur daran, dass man nur als Mitglied der Herde seine Chance auf Erfolg in der Herde bewahren möchte?

Wenn ich nicht annehme, dass ich genauso gut auch daneben liegen könnte, kann ich nichts mehr lernen. Dann wäre es Zeit abzutreten!

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