Einstein folgen oder nachfolgen?

Helmut Hille stellte die Frage:

Die Auseinandersetzung mit Einstein und seinem Relativismus ist eine Auseinandersetzung mit der fehlenden geistigen Reife der Menschen, denn „das Erstaunliche ist vielleicht ja nicht so sehr, dass ein Einzelner ins Absurde abgleitet, sondern dass ihn dahin vielleicht 99,9% der Physiker praktisch bedingungslos folgen.“

Die Antwort auf die Frage, weshalb so viele Physiker dem Einstein bzw. seiner Vorstellung von Zeit und Raum so bedingungslos folgen ist nicht schwer zu finden:

Einsteins Theorie kann man nur verstehen, wenn man präoperativ denkt, das bedeutet, dass man denkt wie ein Kind, das

  • Uhren und Zeit gleichsetzt,
  • Ursachen und Wirkungen nicht unterscheidet und
  • genau eine Perspektive der Beobachtung anwendet

und dabei weiß, dass Zeit einmal schneller und einmal langsamer vergehen kann.

Einsteins Ideen können von jedem Kind verstanden werden. Das Denken der Kinder ist den Erwachsenen geläufig, aus der Beobachtung oder aus eigenen Kindertagen. Die Ideen Einsteins stoßen erst dann auf Kritik, wenn man sie wie ein kritischer Erwachsener durchdenkt.

Als Erwachsener kann man nicht erkennen, weshalb es nützlich sein sollte, dass die Zeit und der Raum ihre Maße je nach Sichtweise verändern, wenn doch dadurch alle Möglichkeiten verloren gehen, die Gleichheit von Zeit und Länge zu besprechen, herzustellen oder zu überprüfen. Außerdem ist unverständlich, weshalb die komplementären Sichtweisen nicht integriert werden dürfen:

BarnAndPole

Wenn man nun einem dritten Beobachter erlauben würde, das Paradoxon von der Leiter zu analysieren, die einmal in die Scheune passt und einmal nicht? In ausreichender Distanz zur Scheune und zur Leiter (also z.B. zurücktreten vom Bildschirm) kann man feststellen, dass die Bewegung des Dritten keinen signifikanten Einfluß auf die Messung nimmt. Weil die beiden (und noch mehr) Bilder sich gegenseitig ausschließen, wird der Dritte nicht beide oder viele Fälle feststellen, auch nicht nacheinander, sondern einen.

Aus welchem Grund wird das objektive Entscheidungsverfahren durch den unbeteiligten Dritten von Personengruppen, die sich selbst als Wissenschaftler bezeichnen, abgelehnt?

Offensichtlich ist die integrierte Position des dritten Beobachters bestens bekannt und heftigst bemüht, wenn es darum geht, die Widersprüche der einsteinschen Ideen zurückzuweisen oder speziell durch das Ausbleiben der Gleichzeitigkeit zu erklären.

Olli Dittrich: »Es ist auch merkwürdig, dass Leute auf alten Fotos jünger aussehen«

Liebe Kinder, entweder wir haben den Dritten als validen Beobachter oder wir haben ihn nicht. Ihr dürft ihn nicht dazu verpflichten, nur bestimmte Aussagen zu machen, denn das können wir im Interesse der Wahrheitsfindung nicht für wahr halten!

Wenn man aber dem Einstein vertraut wie ein Kind seinen Eltern, dann funktioniert es ausgezeichnet, das Verstehen seiner Theorien. Dabei wird das Verstehen redefiniert zu „Vertrauen darauf, dass es schon stimmt“, wie es Max Born getan hat.

Also: Alle Lehrbeauftragte der Einsteintheorien müssen, um im System bleiben und ihre bedeutende Rolle ausfüllen zu können, dem Einstein vertrauen.

Die Beziehung zu Einstein beschreiben Freunde der populärwissenschaftlichen Einstein-Literatur häufig als Beziehung des Schülers zu ihrem Meister. Tatsächlich meinen sie jedoch nicht den Schüler, der heuzutage häufig „fuck u“ zur Frau Lehrer sagt, sondern den Jünger und dessen Beziehung zu Jesus.

 

 

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2 Gedanken zu “Einstein folgen oder nachfolgen?

  1. Das Verstehen bedeutet für Kinder im präoperativen Stadium, und solche Menschen, die dort stecken geblieben sind, dass sie den Glauben an die Stelle setzen wo „selbst herleiten“ notwendig ist.

  2. Merkmale des präoperativen Denkens (nach Piaget):

    1. Egozentrismus:
      Unvollständige Unterscheidung zwischen dem Selbst und der Außenwelt (einschließlich anderer Menschen) und Tendenz, die Welt ausschließlich aus der eigenen Perspektive wahrzunehmen und zu begreifen (Unfähigkeit der Perspektivübernahme: Kinder im präoperativen Stadium denken, alle würden das sehen, was sie sehen.)
    2. Rigidität bzw. Zentrierung des Denkens:
      Kinder im voroperativen Stadium können ihre Aufmerksamkeit immer nur auf ein herausragendes Merkmal richten; andere Merkmale werden außer Acht gelassen. Was fehlt, ist die Fähigkeit zur Kompensation: Verschiedene Dimensionen (Zeit und Geschwindigkeit, Volumen und Höhe) können nicht gleichzeitig erfasst werden
      (-> Konservierungsproblem).
      EXPERIMENT (Piaget): Versuch zur Mengeninvarianz
      Wird Flüssigkeit von einem Gefäß A in ein anders geformtes Gefäß A’ umgefüllt, meinen Kinder im präoperativen Stadium, dass sich die Menge verändert hat.
      (Die Erhaltung des Volumens 7-8 Jahre; Die Erhaltung der Masse: 8–9 Jahre)
      Zentrierung auf einen Aspekt: Je nachdem, ob sie ihre Aufmerksamkeit auf die Höhe oder die Breite des Gefäßes A’ zentrieren, kommen sie entweder zu dem Schluss, es sei mehr oder weniger Flüssigkeit darin enthalten als in A.
      Zentrierung auf Zustände: Der Vorgang des Umschüttens bleibt unberücksichtigt, lediglich der veränderte Zustand wird beachtet.
      EXPERIMENT (Piaget): Ergänzung einer Matrix
      Eine Matrix mit zwei dreiwertigen Dimensionen (Farbe: schwarz, rot, weiß / Form: Kreis, Dreieck, Quadrat), kann von Kindern im präoperativen Stadium nicht sinnvoll ergänzt werden.
      Obwohl beide Dimensionen erkannt werden, beachten sie bei der Ergänzung der Matrix immer jeweils nur eine der beiden Dimensionen.
    3. Fehlende Reversibilität:
      Fähigkeit, eine Folge von Ereignissen, Transformationen oder Denkschritten mental umzukehren. Kinder im präoperativen Stadium besitzen diese Fähigkeit nicht; ihr Denken ist unidirektional.
      EXPERIMENT (Piaget): Klasseninklusion
      Zeigt man Kindern eine Reihe Erwachsener und eine Reihe Kinder, sind sie durchaus in der Lage, die beiden Klassen zu unterscheiden, ebenso wie die jeweiligen Unterklassen (Männer und Frauen bzw. Jungen und Mädchen), allerdings können sie die beiden nicht miteinander Beziehung setzen.
      Fragt man, ob es mehr Mädchen oder mehr Kinder gebe, antworten sie, es gebe mehr Mädchen.
      Die Differenzierung in Unterklassen gelingt zwar, allerdings kann sie geistig nicht wieder rückgängig gemacht werden, so dass auf der Ebene der Unterklasse (Mädchen) die entsprechende Oberklasse (Kinder) nicht mehr zur Verfügung steht.
      EXPERIMENT (Piaget): Seriation = Reihenbildung
      Auch die Bildung sinnvoller Reihen, z.B. das Anordnen unterschiedlich großer Stäbe, bereitet im präoperativen Stadium noch Schwierigkeiten, was daran liegt, dass Kinder die Stäbe nur in eine Richtung vergleichen können (entweder größer oder kleiner).

    Nehmen wir an, dass Einstein sein präoperatives Denken bewahrt hat. Dann folgt:

    • Er kann nicht anders denken als das: „Die Zeit ist das, was die Uhr anzeigt“. Das meint er dann auch wörtlich.
    • Er kann nur eine Perspektive beim reisenden Zwilling durchdenken und jeweils nur eine anerkennen.
    • Wenn eine Zeitdauer zwischen zwei verschiedenen Bewegungszuständen verglichen wird, muss die Zeitdauer sich dabei verändern.
    • Er kann ohne Probleme aus einer Invarianten viele Maßeinheiten gewinnen.
    • Wenn er erkennt, dass starre Körper nicht rotieren können, verwirft er schlicht und einfach deren Existenz.

    Erwachsene Menschen, die denken wie Einstein, können ihre Mitmenschen verstören, weil es ihnen gelingt, geistreiche oder witzige Formulierungen einzusetzen, während sie eine kindliche Logik verwenden.
    Wer Einsteins Vita liest, wird einen Bruch entdecken, gefolgt von einer Explosion von Veröffentlichungen, zwischen dem Frühjahr 1904 und dem Frühjahr 1905. (14.5.1904: Beginn seiner Festanstellung beim Patentamt).

    Einstein kehrt bekanntlich die Messtheorie um: Was gemessen wird, bestimmt seine Theorie.
    Er kann nicht erkennen, dass seine Methode der Uhrensynchronisation nicht funktionieren kann, also keine Methode darstellt.
    Jedes Messen der Einweg-Lichtgeschwindigkeit setzt synchronisierte Uhren voraus. Die Definitionsversuche für weit entfernte synchrone Uhren und das Messen der Einweg-Lichtgeschwindigkeit sind zirkulär aufeinander bezogen.
    Jeder Achtjährige würde daraus das Scheitern seines Versuchs folgern. Was macht Einstein mit diesem Einwurf?

    Also wird Einweg-Lichtgeschwindigkeit als unmöglich und undefinierbar und unmessbar behauptet. Die Folge: Heute denken viele Studenten ernsthaft, dass Uhren beim Transport kaputtgehen würden.

    „Es zeigt sich, dass bei allen physikalischen Begriffen die drei Teile Definition, Maßeinheit und Messmethode nie völlig zu trennen sind. Der Beitrag von Einstein zur Entwicklung der SRT ist eigentlich die Einsicht, dass dieser operationelle Zugang alle Schwierigkeiten ausräumt.“ (siehe David Epstein)

    Wenn man das Credo des Henri Poincaré von 1902: „Es gibt keine absolute Zeit; wenn man sagt, dass zwei Zeiten gleich sind, so ist das eine Behauptung, welche an sich keinen Sinn hat und welche einen solchen nur durch Übereinkommen erhalten kann. Wir haben […] keinerlei Anschauung von der Gleichheit zweier Zeiten.” als Grundlage für Einsteins Theorien heranzieht, sollte man annehmen dürfen, dass es sich um eine konventionalistische Theorie handelt.
    Doch weit gefehlt: Einsteins Theorie ist präskriptiv (diktatorisch): Die Zeit dilatiert und der reisende Zwilling bleibt jünger! Die Follower Einsteins wollen nicht erkennen können, dass sie in ihren Erklärungen zwingend eine absolute Gleichzeitigkeit anwenden müssen, um die Effekte ihrer relativen Annahmen vorzurechnen.
    Beispiel: „Genau dann, wenn B am Nullpunkt von A vorbeifliegt, wird dort ein Blitz ausgelöst.“ Genau diese Voraussetzung ist nach Poincaré ungültig, da unbegründet! Was beduetet „genau dann“?

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