Über Wissenschaft, die Religion wurde

http://www.tylervigen.com/spurious-correlationsDas Problem mit Religion ist: Diejenigen Gruppen, die den stärksten Glauben haben, werden überleben. Nicht unbedingt deshalb, weil sie die besten Voraussetzungen besitzen oder die größten technologischen Fortschritte erzielen, sondern weil alle anderen weniger Nachkommen haben werden. Die anderen Gruppen sterben aus, weil sie nichts haben, worauf sie sich stützen können, um ein Leben zur Freude ihrer Nachkommen zu gestalten.

Regelmäßig bestätigen sich etablierte Personenkreise gegenseitig die Gemeinsamkeiten ihrer Auffassungen und Zielsetzungen, sei es bei der Bambi-Verleihung oder dem Kosmologenkongress. Sie vergewissern sich damit wechselseitig ihrer Unterstützung. Einen starken Verband zu etablieren zählt seit je her zu den Kernaufgaben elitärer Gruppen in allen Gesellschaften. Durch Verhaltenskontrollen werden zukünftige Spitzenkräfte und potenzielle Konkurrenten identifiziert. Zugangsbeschränkungen sollen verhindern, dass Kritiker und Ketzer das Ansehen beschädigen.

Damit wird in Kauf genommen, dass Fehlentwicklungen bis hin zur Existenzbedrohung unerkannt bleiben. Dramatische Beispiele gaben unlängst der ADAC, die FIFA, der DFB, die katholische Kirche und der Einstein-Club in der theoretischen Physik. Öffentliche Kritik ist in diesen Fällen ein aussichtsloses Unterfangen. Sie wird durch Ignoranz bestraft und nur selten, dann jedoch durch offen vorgetragene Polemik bekämpft. Die offene Kritik birgt für jeden, der zum Club zählen möchte das Risiko, ein Außenseiter in der eigenen Herde zu werden.

ligo-collaboration

Staatlich finanzierte „Glaubensgemeinschaft“

Die Herde folgt bekanntlich denjenigen, die den Herdenglauben als Mainstream glaubhaft etablieren können und nicht etwa denjenigen, die kritisch oder pragmatisch die Probleme angehen. Alle Follower beziehen ihr Selbstbewusstsein aus der Herde. Ihnen bleibt keine andere Wahl als dem Mainstream zu folgen, um überhaupt ein Gefühl von Bedeutsamkeit und Relevanz ob ihrer eigenen Taten zu entwickeln. Das primäre Ziel der Follower ist jedoch, die eigene Existenz innerhalb der Gruppe abzusichern.

GWaves2016Ob in allergrößten Krisen die Reform als Aufgabe benannt oder anerkannt wird, muss für die Wissenschaft viel stärker bezweifelt werden als für Glaubensgemeinschaften. Die Wissenschaft wird durch die öffentliche Hand allein wegen ihres Versprechens unterhalten, die eigenen Potenziale in nützliche Anwendungen umzusetzen. Anders als bei Glaubensgemeinschaften wird allen Wissensgebieten, bis hin zur Soziophysik, eine potenzielle Bedeutsamkeit zugebilligt, sodass erst das Konkurrenzverhalten der Wissenschaftler untereinander über die Verteilung der Fördertöpfe entscheidet.

Die Greedy-Falle

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts geriet die Leitdisziplin der Wissenschaften, die Kosmologie und Ätherphysik, in größere Schwierigkeiten. Weil man keine Antworten auf brennende Fragen wie z.B. die Lichtausbreitung im Vakuum, fand, streute man Annahmen anstelle von Begründungen ein. Solche Ad-hoc-Hypothesen konnten keinen Hinweis auf Wirkungszusammenhänge geben, sie waren durch und durch spekulativ.

Hendrik Antoon Lorentz machte es 1892 mit seiner Hypothese der körperlichen Kontraktion vor, wie man spekuliert. Er gab sie allein mit formalen Mitteln an, ein Gleichungssystem genügte. Ihm folgte Max Planck um 1900 mit der spekulativ entwickelten Quantenhypothese und im Jahr 1905 setzte Albert Einstein eine Zeitveränderlichkeitshypothese oben drauf. Einsteins Theorie kam vollständig ohne erprobte Grundlagen aus und bestand ausschließlich aus hypothetischen Spekulationen. Einsteins erste Hypothese beschränkte die Gültigkeit universeller Maße und Referenzen, auf jeweils einen einzigen Beobachter und eliminierte damit die experimentelle Überprüfbarkeit all seiner Thesen. Seine zweite Hypothese besagte, dass die Lichtausbreitung unabhängig von allen Bewegungszuständen sei, sowohl von der Geschwindigkeit des Senders als auch von der des Empfängers.

Das Problem war nun, dass all diese Theorien ohne empirische Belege auskommen mussten. Die Möglichkeit, sie durch experimentelle Analysen zu widerlegen, war nicht vorgesehen, man konnte sie aber auch nicht ergänzen.

  • Wie kann man die Quantelung der Energieübertragung widerlegen, die auf die Messung einer Mindestreaktionsdauer für den Austausch von Ladungen hinausläuft, die im Bereich von 1 geteilt durch 10 hoch 44 Sekunden liegt?
  • Wie kann man die Zeitanpassungshypothese widerlegen, wenn man nur mehr oder weniger ungenau funktionierende Uhren zur Verfügung hat?

So entstand, ohne dass man es in der wissenschaftlichen Physik ernsthaft als problematisch empfunden hätte, eine Spekulationsblase, die bis heute hält. Im Jahr 1927 veröffentlichte Werner Heisenberg seine Unschärfepostulate, nachdem ein Jahr zuvor Erwin Schrödinger die Gültigkeit einer Wellengleichung postulierte, um die Zustandsübergänge in quantenmechanischen Systemen zu beschreiben.

Als erfolgreich wird heute die Forschung schon dann bejubelt, wenn zufällig eine von unzähligen Formelprodukten eine Anwendung findet. In dieser Tradition wurde bereits 1919 die von Arthur Eddington bemerkte Lichtablenkung in Sonnennähe interpretiert und als Beweis für Einsteins Theorie behauptet. Später wurde versucht, den erfolgreichen Bau der Atombombe und den Beginn der industriellen Kernspaltung auf eine Formel zurückzuführen, die in wild spekulativer Weise entwickelt worden war. Die Anwendungen, so die heutige Auffassung von förderungsfähiger Wissenschaft, können sich erst spät zeigen, daher dürfe man keine Wissenschaft durch den Abzug von Fördermitteln unterdrücken.

Im Gegensatz zu einer konstruktiven Wissenschaftslehre, die nur gesicherte Erkenntnisse aufeinander setzt, versuchte die spekulative Ausrichtung der Wissenschaft, in einem Wettlauf um die kühnsten Ideen und aufregendsten Gedankengänge neue Anwendungen für Formeln zu entdecken, ohne sich zu vergewissern, dass die Formeln Wahrheit tragen. Die Physik zur Erforschung der Grundlagen entwickelte sich zu einem Anbieter von Beschreibungsmitteln. Die letzten Exemplare in dieser Reihe des Physikregals tragen die Label „Urknall“, „Stringtheorie“ und „dunkle Energie“.

Die moderne Physik steht auf tönernen Füßen. Das ist eine Folge ihres antikonstruktiven Aufbaus und der naiven Verwendung eines speziellen Wahrheitsbegriffs. Der Begriff Wahrheit wurde in der modernen Physik durch das Attribut „erfolgversprechend“ ersetzt. Im Einklang mit einer Theorie der Konsistenz, die alles für wahr erachtet, was sich nicht selbst widerspricht, steht man heute vor einer unlösbaren Aufgabe: Es werden weltweit unzählige konsistente Theorien angeboten, von „Gottesteilchen“ bis zum „Zeitteilchen“ ist fast alles vertreten, während es weder einen Markt dafür gibt noch ein Entscheidungsverfahren, um aus den vielen konsistenten Theorien (‚Modellen‘) die nützlichen oder die wahren herauszufiltern.

An die Stelle der Wahrheit und der experimentellen Überprüfbarkeit wurde schon längst die Konformität, die willfährige Übereinstimmung mit dem Mainstream gesetzt, um in letzter Instanz über die Veröffentlichungswürdigkeit in den vielbeachteten Fachzeitschriften zu richten.

Während die von Kurt Gödel entwickelten Beweise für die Unvollständigkeit bestimmter Aussagesysteme die Zielsetzung der formalen Modelltheorie (eines David Hilbert) korrigieren konnten, zog die gesamte philosophische Entwicklung des letzten Jahrhunderts an der theoretischen Physik vorbei, ohne die geringste Veränderung des Forschungsansatzes zu bewirken. Selbst anerkannte philosophische Größen wie C.F.v. Weizsäcker zogen es vor, sich von dem formalen Beschreibungsapparat und seinen Möglichkeiten, wie z.B. der Tensorrechnung, faszinieren zu lassen, anstatt ihren Beitrag zur Wahrheitsfindung zu hinterfragen. Die Mahnungen des Karl Popper, ein Falsifikationskriterium in der Forschung durchgängig zu etablieren, wurden nicht gehört,  nicht etwa falsch verstanden.

Die Anhänger Einsteins versammeln sich inzwischen wie eine Glaubensgemeinschaft, um ihren Meister zu loben. Das ist deshalb eine so skurrile Beobachtung, weil das Verhalten der Menschen, nämlich Schutz zu suchen in der Herde, für die Wissenschaft grundsätzlich keine Rolle spielen darf. Die Wahrheit muss sich belegen lassen. Behauptungen von der Machart einer Spekulation sind keine Wissenschaft, sondern Science Fiction. Wenn die spekulative Leistung das Kriterium für Wissenschaftlichkeit werden soll, scheitert der Name Einstein schon an der Nominierung, denn der größte Physiker der Moderne ist Gene Roddenberry, schon wegen der Zahl seiner Follower. Spekulationen werden nicht durch positive Belege wahr, sondern können allenfalls durch Ergebnisse vernünftig durchgeführter Experimente widerlegt werden.

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10 Gedanken zu “Über Wissenschaft, die Religion wurde


  1. Wenn das Publikum über die echte Welt ebenso lachte wie über Dadas Verdrehung derselben, war das Ziel erreicht.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Dadaismus
    Die Dadaisten beharrten darauf, dass Dada(ismus) nicht definierbar sei.

    Der Begriff Dada(ismus) steht im Sinne der Künstler für totalen Zweifel an allem, absoluten Individualismus und die Zerstörung von gefestigten Idealen und Normen.

    Als der Dadaismus sich zu festigen begann, riefen die Dadaisten dazu auf, diese Ordnung wieder zu vernichten, da es ja eben das war, was sie zerstören wollten. Das machte den Dadaismus wieder zu dem, was er sein wollte: vollkommene Anti-Kunst, die unklassifizierbar war. Vergleiche mit dem Futurismus oder dem Kubismus wurden abgelehnt.

  2. Die Popularität der Relativitätstheorie machte erstmals für breite Kreise ein bescheideneres Wissenschaftsverständnis publik.

    • Einstein beschrieb die Natur mathematisch, er unternahm keine Wesensschau.
    • Unanschaulichkeit und Ausklammerung der Wahrheitsfrage wurde ihm nicht nur von Physikern wie Gehrcke und Lenard, sondern auch in der Tagespresse und in Anti- Einstein-Pamphleten aus dem Bildungsbürgertum vorgeworfen.
    • Anschaulichkeit und Wahrheit gingen dabei Hand in Hand.
    • Anschaulichkeit wurde als Kriterium für Wahrheit angesehen: Nur was dem gesunden Menschenverstand ohne große mathematische Vorbildung einsichtig ist, kann wahr sein.
  3. http://sci.tech-archive.net/Archive/sci.physics/2008-03/msg01342.html
    4692237C.7040909.et.uni-magdeburg.de says:
    „Einstein ist vor allem für minderqualifizierte Menschen ein Idol.“
    which says: „Einstein is an Idol especially for under-qualified people“
    „This is my observation, and I consider the explantion convincing. Less
    qualified people tend to identify themthelves with unreachable stars in TV,
    sport, and science. When I lived in Russia in 1979/80, I met several people
    who even told me that they were admiring Hitler. Why? Perhaps, they made him
    an idol because they felt helpless towards those who possibly killed their
    relatives. My quoted sentence tried to explain what someone had stated:
    Einstein is more admired among the non-jewish population than among the on
    average much more qualified jews.“

  4. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-digital-debatte/wie-die-wissenschaft-das-nachdenken-verlernt-14059183-p3.html?printPagedArticle=true#pageIndex_4

    „Das Wissen darüber, was eine valide Theorie von einer spekulativen unterscheidet, erodiert in den Wissenschaften seit längerem. Der Erkenntniswert komplexer Simulationen ist in vielen Fällen fragwürdig, was gerne verschwiegen wird. Jetzt bahnt sich zu allem Überfluss noch an, dass der denkende Forscher durch die Maschine ersetzt werden soll. Dabei ist das exakte Gegenteil richtig: Die Tugenden menschlichen, verdichtenden Denkens sind dringlicher denn je und definitiv der einzige Garant, in der riesigen Wissenswolke nicht völlig die Orientierung zu verlieren.“

  5. Due to the Ligo Collaboration all the “sensitive and computationally-efficient data analysis methods were used used by the ihope search pipeline to search for compact binaries”.

    The 14th Sept 2015 was the jewish new year’s day. I guess the sensation of the 11th February of 2016 that the gravitional waves have been found was motivated by some overconscientious guys that had to give a strong statement to those that had to get a strong statement. All others wouldn’t have seen it anyway.

    The most important reference seems to be http://journals.aps.org/prl/pdf/10.1103/PhysRevLett.116.061102:
    “In summary, all three tests are consistent with the predictions of general relativity in the strong-field regime of gravity.”
    „GW150914 demonstrates the existence of stellar-mass black holes”

    • The VIRGO interferometer was out of order but was expected to running tests near the end of the year 2015.
    • The time elapsed between the ingoing of the two signals is given as 6.9ms.
    • The library “ihope” that was used to do the reconstruction of the waves (according to the G-relational assertions) with the precision of 10^-21 of the amplitude are hidden to the public. Just compare this with the fact that huge corporations like Apple, google and Microsoft are used to open their (probably important) tools to the public, e.g. swift, Android, Edge, .net.
  6. Kaffeesatz bleibt Kaffesatz, welbst wenn das Muster eine langsam aufsteigende und eine steil abfallende Flanke besitzt.

    Richard Feynman hatte an seiner Tafel den Satz stehen: „What I cannot create I do not understand“. Damit ist gemeint, dass ich die Funktion von etwas verstehen muss, um sagen zu können, ich hätte es „verstanden“. Und um die Funktion von etwas zu verstehen, muss ich es auseinander nehmen und anschließend wieder zusammen bauen können. Dabei sollte ich gelernt haben, es selbständig und unabhängig vom Original aufzubauen.

    Wenn ich gelernt habe, wie G-Wellen aussehen und wie man G-Wellen findet, kann ich das so gut, dass ich nicht bloß einmal, z.B. an Neujahr, damit erfolgreich sein werde.

    http://www.zeit.de/wissen/2015-02/gravitationswellen-urknall-planck?cid=4411938#cid-4411938

  7. http://www.nature.com/news/hunt-for-gravitational-waves-to-resume-after-massive-upgrade-1.18359

    “The first detections will be quite dramatic for us,” says Rainer Weiss, a theoretical physicist at the Massachusetts Institute of Technology in Cambridge who was one of LIGO’s founders. “The first thing we will need to sort out is whether we truly believe what we are seeing.”

    Having detectors on different continents is crucial for providing a rough estimate of the origin of the waves, says Fulvio Ricci, a physicist at the Sapienza University of Rome and the spokesperson for Virgo. Once they know that, astronomers will be able to look for other signs of that event using electromagnetic radiation, such as X-rays or visible light.

    Einstein published his first papers on gravitational waves in 1916. Detecting these ripples a century later, Weiss says, would be of “enormous symbolic importance”.

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