Die Rentenlüge, was ist das?

Professor Meinhard Miegel gründete 1977 zusammen mit Professor Kurt Biedenkopf das „Institut für Wirtschaft und Gesellschaft“, das seit 2008 als „Denkwerk Zukunft“ geführt wird. Er beschäftigt sich seit über 40 Jahren mit den ungelösten demographischen Problemen Deutschlands und Europas. Er stellt fest, dass sich Deutschland in einer demographischen Sackgasse befindet: Deutschland sei ein unfruchtbares Biotop, ohne Aussicht auf eine Zukunft.

Junge Menschen spüren das, wo etwas läuft, wo was geht und wo nicht. Sie zieht es dort hin, wo die Lebensfreude den Takt bestimmt und sie sich davon anstecken lassen können. Sie ziehen weg vom flachen Land. Die Häuser dort stehen leer, verfallen. Die Landbevölkerung stirbt aus.

„Auf dem Land gibt es keine Jobs“, sagen sie, aber sie meinen etwas gänzlich anderes:
„Auf dem Land gibt es keine Zukunft“.

Der morbide Charme verrottender Häuser kann längt nur Depressive begeistern. Wer vom Land flüchtet, der will etwas erleben oder etwas erreichen. Er will nicht das Leben imitieren, das er um sich herum tagtäglich beobachten muss, wie etwa eine ältere Frau hinter dem Rollator, die von ihrer polnischen Pflegekraft begleitet in Zeitlupe über die Straße rollt. Das sind verstörende Bilder, die sich jedem aufzwingen, der hinblickt. Das Elend des Alters lässt dem eigenen Ende keine Chance. Junge Menschen müssen sich diesem Druck des Elends entziehen, wenn sie ihre Zukunft freimütig gestalten wollen.

Früheren Generationen war diese Freiheit, einfach zu gehen, um ein vermeintlich besseres Leben zu finden, nicht vergönnt. Sie mussten bleiben, den Hof, die Werkstatt oder den Laden übernehmen, den Altenteil bis zum Ende aushalten. Die größtmögliche Freiheit auszuleben führt zu gesellschaftlichen Verwerfungen und zu indirekten Belastungen für jene, die auf andere angewiesen sind.

Seit Generationen kompensiert Deutschland seinen Mangel an Nachwuchs mit dem Zuzug aus anderen Ländern. Wenn heute nun Hungrige in großer Zahl nach Deutschland kommen, werden sie zweifellos das festgefügte Sozialstaatsgebilde zum Bersten bringen.

Dass die steigende Zahl der Rentner nicht von einer schrumpfenden Zahl an Beitragszahlern finanziert werden kann, ist leicht verständlich. Das Umlageverfahren der gesetzlichen Rentenversicherung erweist sich in den Zeiten fehlender Zinserträge jedoch als vergleichsweise stabil – kurzfristig. Langfristig wird jedoch die Belastung duch die Rentenzahlungen auch den Bundeshaushalt sprengen.

Rentenzuschuss

Nach Daten des Bundesfinanzministeriums wuchs der Sozialetat (hellgrün) am stärksten,  die Ausgaben stiegen seit 1992 von 75 auf 130 Milliarden an. Den größten Anteil daran hatte der Rentenzuschuss der Bundesregierung, der heute ca. 30% des Gesamtetats ausmacht.

Im Klartext: Heute werden 14 Cent (der Bundesanteil am diesem Steueraufkommenbeträgt 43%) von jedem Euro, der als Lohn- oder Einkommensteuer an das Finanzamt überwiesen wird, unmittelbar als Rente ausbezahlt. Von jedem Euro, den wir beim Einkauf (mit 19% Umsatzsteuer belegt) ausgegeben, landen mindestens 2 Cent direkt in der Rentenkasse.

Das Wort „Rentenlüge“ steht stellvertretend für die Neigung einer ganzen Gesellschaft zur Selbsttäuschung, das ist die Fähigkeit und die Bereitschaft der Menschen, unangenehme Fakten, wie etwa die Gewissheit des eigenen Ablebens, vollständig zu verdrängen.

Niemand möchte mit unangenehmen Wahrheiten konfrontiert werden, daher vermeidet man zum Teil unbewusst alle Situationen und Maßnahmen, die eine Konfrontation auslösen könnten. In Konsequenz dieses Verhaltensmusters sind wir Menschen bereit, immer größere Lasten zu übernehmen, nur um dem Übel zu entgehen.

 

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