about

Max Born
Max Born sagt: „Es scheint mir, dass der Versuch der Natur, auf dieser Erde ein denkendes Wesen hervorzubringen, gescheitert ist.“ Was meint er damit?

Max Born (*11.12.1882) studiert in Breslau, Heidelberg, Zürich, Cambridge und Göttingen zunächst Rechtswissenschaften und Moralphilosophie, dann Mathematik. 1907 promoviert er und 1909 habilitiert er sich im Fach Physik an der Universität Göttingen. Im Jahr 1914 wird Max Born zum Professor für Physik an die Goethe-Universität in Frankfurt/Main berufen. Später wird er Professor in Berlin, Göttingen und Cambridge. Nach seiner Emigration wird er von 1936-1953 Professor für Naturphilosophie an der Universität Edinburgh.

Ist er ein Kreter, der behauptet Alle Kreter lügen? Schießt er sich selbst mit ein, wenn er das Scheitern aller Menschen im Denken beklagt? Bedarf es eines Intellekts, um zu erkennen, dass man etwas nicht kann? Können wir beobachten, wie sich Schafe von den Klippen stürzen, um das Fliegen zu versuchen? Die Behauptung vom mangelhaften Intellekt kann man offensichtlich nicht mit ihrem Mangel an Reflexivität kontern: Die Erkenntnis, dass man etwas nicht kann, setzt nicht voraus, dass man es schon kann oder versucht hat zu können.

Seine Erkenntnis einleitend schrieb er nieder: „Trotz meiner Liebe zur wissenschaftlichen Arbeit war das Ergebnis meines Nachdenkens entmutigend.“ Nikolaus Cusanus hatte 500 Jahre zuvor festgestellt, dass ein über sein Nichtwissen belehrter Mensch „das Unbegreifliche unbegreifenderweise umfassen“ kann. Damit hatte der Bischof nicht etwa ein Paradoxon aufgesetzt, sondern die Weisheit des Nichtwissenenden analysiert, die von der Unkenntnis der Unwissenden zu unterscheiden ist. Obgleich diese Formulierung einer sprachlogischen Spielerei gleicht, zeigt sie  auf, wie der menschliche Intellekt Wissen bildet: Wer erfolglos gesucht hat oder eine Suche nach Wissen als erfolglos einzustufen vermag, darf von sich behaupten, er sei nichtwissend. Wer hingegen gar nicht sucht, bleibt unwissend. Das Lernen umfasst auch die Erwartung einer Lösung. Bleibt sie aus, wird selbst das bzw. stellvertretend das selbst gelernt.

„Ich wollte niemals ein Spezialist sein„, sagt er über sich, „Ich könnte mich schwerlich in die Wege der heutigen Wissenschaft einpassen, die von Teams von Spezialisten betrieben wird. Der philosophische Hintergrund der Wissenschaft interessierte mich stets mehr als ihre speziellen Ergebnisse„.

Wilhelm Kamlah und Paul Lorenzen sagen: Was uns fehlt, ist nicht der geniale Einfall oder das Experiment, sondern die Disziplin des Denkens und des Redens, die uns ermöglichte, unsere gegeneinander aufgefahrenen Meinungen abzubauen und miteinander einen Anfang im vernünftigen Gespräch zu machen. Die Disziplinlosigkeit des monologischen Drauflosschreibens und Aneinandervorbeiredens ist erschreckend.“ In ihrer „Logischen Propädeutik“ monierten sie die Anfänge einer Gesellschaft 

  • des Redens ohne Denken,
  • des Schreibens ohne Verstand,
  • des Handelns ohne Plan.

Heute gilt: „Schreibe um des Veröffentlichens willen und veröffentliche um des Einkommens willen„. Besser wäre: „Nimm nicht an, dass das, was Du schreibst jemals gelesen wird.“ Vielmehr dient mir das Schreiben dazu, die Gedanken zu ordnen und sie vor dem Vergessen zu bewahren. 

Wer denken kann, ist in der Lage, über sich selbst nachzudenken. Wer das nicht tut, braucht nicht zu denken, dass er denken kann.

Max Born schreibt manchmal hier, hier und hier.

Advertisements

2 Gedanken zu “about

  1. Durch eine andere Sprache hat man auch eine andere Sicht der Welt!

    Die Sprache ist das Instrument, mit dem wir die Welt erfahren, struktuieren und verstehen. Sie gibt uns jedoch auch durch ihre Grammatik vor, wie wir zu denken haben. Die Logik ist Teil unserer Sprache.

    Die Verrottung unserer Sprache (in allen öffentlichen Bildungseinreichtungen, von der KiTa bis zur Uni) führt zum Verlust der logischen Denkfähigkeit Dadurch können die Menschen sich nicht mehr vernünftig verständigen und Einsicht oder Überzeugung gewinnen.
    Man erkennt die Folgen bereits im Rechtssystem, das Entscheidungen bar jeder Logik trifft und sogar die Logik als „zu formal“ verachtet.

  2. In this class, I hope you will learn not merely results, or formulae applicable to cases that may possibly occur in our practice afterwards, but the principles on which those formulae depend, and without which the formulae are mere mental rubbish. I know the tendency of the human mind is to do anything rather than think. But mental labour is not thought, and those who have with labour acquired the habit of application often find it much easier to get up a formula than to master a principle.
    My duty is to give you the requisite foundation and to allow your thoughts to arrange themselves freely. It is best that every man should be settled in his own mind, and not be led into other men’s ways of thinking under the pretence of studying science. By a careful and diligent study of natural laws I trust that we shall at least escape the dangers of vague and desultory modes of thought and acquire a habit of healthy and vigorous thinking which will enable us to recognise error in all the popular forms in which it appears and to seize and hold fast truth whether it be old or new.”

    James Clerk Maxwell
    Inaugural lecture at King’s College, 1860

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s