position

Zur Frage, ob Hugo Dinglers Protophysik ein nützlicher Ansatz sei:

Die Protophysik steht im Kontrast zum Einleitungsverfahren moderner Lehrbücher. Den Studierenden wird häufig empfohlen, die meist zirkulären Definitionsversuche der Grundlagen schlichtweg auswendig zu lernen. Warum auswendig? Weil es anders nicht zu merken wäre, denn das menschliche Gehirn verliert bekanntlich unverwertbares oder unlogisches Wissen, und weil man es im Beruf später ohnehin nicht brauchen wird. Der Ansatz der Protophysik folgt demjenigen der Ingenieurwissenschaften:  Normierung und Zweckmäßigkeit. Die Normierung (was ist ‚rechts‘?, was ist ‚DIN links‘?) ist eine zwingende Voraussetzung, um sich zu verständigen, um Handel zu treiben, um produktiver zu werden: Eine defekte Pumpe via Hotline wieder flott zu bekommen, wie wird das gehen, wenn man die Normen vor Ort nicht beherrscht?

Warum verstehen so viele Menschen die Spezielle Relativitätstheorie wie auch die Allgeneine Relativitätstheorie nicht, unverändert seit nunmehr mehr als 100 Jahren? Liegt das eventuell daran, dass Begriffe wie z.B. Zeitdilatation und Raumzeit unklar sind? Ist das Wort ‚Ebene‘ auch unklar? Muss ich wissen, ob Hugo Dingler seine Schleifplatten so weit zu glätten beabsichtigte, dass Höhenunterschiede bis zur Atomgröße abgetragen werden? Nein, das brauche ich nicht. Er zeigt uns lediglich, falls wir es noch nicht wissen, wie man es machen kann. Es ist ein leichtes, diese Schleifvorgänge weiter zu denken: Nimm alle Unebenheiten weg, entferne alle Staubkörner, nutze einen Reinstraum, am besten das Weltall. Das Wort ‚Ebene‘ über andere Begriffe wie z.B. Punkt definieren zu wollen, wäre nicht hilfreich, weil so lediglich das Problem zum Begriff Punkt hin verschoben wird.

Es dürfte allen Lehrbeauftragten und Lehrenden inzwischen aufgefallen sein, dass die mittlere Verweildauer der Lerninhalte im aktiv nutzbaren Gedächtnis der Lernenden drastisch verkürzt ist und darin fortschreitet. Die immer stärker erscheinende Spezialisierung der Lerninhalte -selbst innerhalb eines Studienfachs- scheint die zwingend erforderliche Quervernetzung weitgehend zu blockieren. Maßgeblich dafür sind die Unzulänglichkeiten bei der Einordnung der Lerninhalte mittels Vergleich und Verwendung, indem zuvor erlernte und aktiv genutzte Grundbegriffe eingesetzt werden.

Das menschliche Gehirn zieht bekanntlich zur Problemlösung alle Alternativen parallel in Betracht, die nach selbst konstruierten Ähnlichkeitsprinzipien in Frage kommen. Ohne das Training kommt keine aktive Verwendung zustande und ohne die Verwendung werden keine neuronalen Verbindungen geschaffen. Neue Verbindungen verschaffen dem Gehirn wiederum neue Möglichkeiten, zusätzliche Ähnlichkeitsmuster für kreative Problemlösungen einzusetzen. Je stärker spezialisiert ein Begriff ist, desto kleiner ist sein Inhalt, desto seltener kommt das Wort zum Einsatz.

Überdies verliert die Sprache zunehmend ihre Funktion als grundlegendes Belehrinstrument. Die Präferenz für bildgestützte Anleitungen, von Vormach- und Mitmachvideos bei jungen Menschen zeigt die Tendenz an. Das Glanzbeispiel für die “Zersplitterung eines Fachgebietes“ in ein Mysterium von Ausnahmen und Einzellösungen ist die moderne Physik: Von Mößbauer bis Hall, vom Compton bis Zeemann: Jeder von ihnen hat nicht nur ein eigenes Bild in the Hall of Fame der Physik hängen, sondern auch einen enorm wichtigen Beitrag zur Unauffindbarkeit quervernetzbarer  physikalischer Theorien geleistet. Wie man sieht, gelingt es in Wikipedia nicht einmal ansatzweise, den Mößbauer-Effekt so darzustellen, dass man als Lernender nicht bloß etwas von der Backstage-Story der nächtlichen Versuche erfährt, sondern den Zusammenhang, zum Absorptionsspektrum bei Dopplershifts herstellen kann.

Die Wissenschaft verliert sich zunehmend in hoch spezialisierten Details. Die Menschen, die die Wissenschaft interessiert beobachten, alle die von hier aus mitlernen möchten, können in diesen Details nicht mehr folgen. Demnach wird die weitere Fragmentierung der Wissensgebiete unausweichlich sein. Der Geisteswissenschaftler wird den Chemie-Clou bezüglich der Luftbatterien nicht mehr verstehen. Der Biologe wird das Banking-System verteufeln. Der Theaterlehrer muss wegen Pinphishing seine Bankkonten auflösen. Der islamgelehrte Theologe fordert schließlich den Schlussknall. Öffentliche Gewaltaufrufe kann man heute nur in bestimmten Regionen, z.B. des nahen Ostens, mithören. Sie sind das Zeichen enormer kultureller Verstörung infolge ungelöster Anpassungsprobleme und sie liefern ein Szenario für die weitere Entwicklung der Industrieländer, deren Führung es nicht gelingt, das Funktionieren notwendiger technischer Hilfsmittel wie auch moderner wirtschaftlicher Systeme zu verständigen, weder an interessierte und  aufstrebende Bevölkerungsschichten, noch an den eingewanderten Teil der Bevölkerung, geschweige denn an die nächste Generation.

2 Gedanken zu “position

  1. Man hört es und liest es immer wieder:
    Es gibt in der Relativitätstheorie keine absolut starren Körper, weil sich die Wirkung des Anpackens an einer Stelle nur maximal mit Lichtgeschwindigkeit an andere Stellen übertragen kann.

    Wenn die mechanische Wirkung eine maximale Geschwindigkeit in der Lichtgeschwindigkeit hat, was soll dann die Vorstellung bedeuten, dass es
    (a) die Lichtgeschwindigkeit bräuchte, um einen Hammer zu beschleunigen oder
    (b) eine noch höhere Geschwindigkeit bräuchte, um einen Hammer als Ganzes, auf einmal zu schwingen?

    Kann es sein, dass die Vorstellung davon, dass die Wirkung von einer Seite zur anderen „laufe“ wie ein Lichtstrahl etwas abstrus ist?

    Was ist die Begründung für die kühne Behauptung, dass die mechanische Wirkung nicht schneller als c läuft?

    Um einen Hammer samt seiner Partikel zu beschleunigen, braucht man wahrlich keine Lichtgeschwindigkeit. Es genügt die naive Annahme, dass alle Partikel miteinander verklebt sind.

    Offensichtlich hat es der verrückte Einstein geschafft, die Menschen so weit zu verunsichern, dass sie sich nicht einmal mehr zutrauen, eigene Annahmen aufgrund praktischer Erfahrung zu formulieren.

  2. Sensation: Spektrum wird jetzt kritisch!

    24.12.2015:
    http://www.spektrum.de/news/die-philosophie-soll-der-physik-aus-der-patsche-helfen/1390994

    07.04.2015:
    http://www.spektrum.de/news/frontalangriff-auf-die-wissenschaftliche-methode/1340690

    Man gönnt sich einen kritischen Artikel pro Halbjahr zum Thema „Wissenschaft & Spekulation“. Dabei besteht 94,2% der Mainstream-Theorien von Atommodell, Einstein bis zu Quanten, Strings etc. aus Spekulation.

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